Warten

Ratter, ratter, ratter. 
So ein eintöniges Geräusch.
Mit der zusammengezogenen Augenbraue über ihnen schweifen meine Augen umher, um die Ursache dafür zu finden. Währenddessen streichen meine Fingerkuppen über den roten Samtbezug des Sitzkissens.
Der weiche Stoff beruhigt mich, während ich mich noch immer nach der Quelle des Geräusches umschaue. 
Da! Links von mir. Die Rolltreppe.
Ratter, ratter, ratter. Sekündlich lässt sie Stufe um Stufe aus ihrem Inneren hervorquellen. Fasziniert beobachte ich das Spektakel. Seine Regelmäßigkeit zieht mich in seinen Bann. 
Fesselt mich. 
Das Geräusch vermischt sich mit einer klingenden Spieluhr, rasselndem und quietschendem Kinderspielzeug. Verrückt, wie Langeweile die Wahrnehmung verändert. 
Schärft sie. Macht sie gleichzeitig dumpf. 
Während die Geräusche nur so auf mich einprasseln, verliere ich jedes Gefühl für Zeit. 
Meine Augen haften noch immer auf der Treppe. Wenn die Zeit nur so vergehen würde, wie sie Stufen hervorbringt.
Ich erfasse ihre Sekunden. Doch irgendwie scheinen sie nicht mehr zu meiner Zeit zu gehören. Ziehen an mir vorbei, ohne mich mitzunehmen. Lassen mich an Ort und Stelle stehen.


Der Stillstand bewegt mich. 
Dazu innezuhalten. Dazu nachzudenken. 

Wie kann es sein, dass uns Stunden wie Monate vorkommen, winzige Minuten wie lange Stunden und ein Jahr wie ein einziger Moment an uns vorbeizieht? 
Zeit rennt, schleicht, verweilt. Doch nie so, wie wir es wollen. 
Und während ich hier sitze und darauf warte, wie die Zeit vergeht, scheint sie zu stehen.
Die Treppe nicht.
Sie erinnert brav im Takt daran, dass es doch irgendwie vorangeht. 

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